Kreativität und Hochbegabung
Das Dreiringemodell von Renzulli zeigt, wie sich Begabungspotenziale zur Hochleistung entwickeln können durch die drei gleichberechtigten, sich wechselseitg beeinflussenden Bereiche Kreativität, überdurchschnittliche Fähigkeiten und Leistungswille in unauflösbarer Interaktion mit der Umwelt.
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"Es zeigt, dass es sich bei Hochleistung nicht mehr um ein abschliessend determiniertes Personenmerkmal handelt, sondern um ein mehrdimensionales Produkt gelingender Bildungsanstrengungen (des Individuums und seines Umfeldes) in einem sozialen System. Das heisst: Nicht mehr der Mensch ist genuin (hoch-)begabt; sondern vielmehr können sich Begabungspotenziale des Einzelnen in einem begünstigenden Umfeld zur Hochleistung entwickeln. Übertragen auf die Schule bedeutet dies, dass nicht lediglich (von Haus aus) Begabte zu suchen und speziell zu fördern sind, sondern dass (auch verdeckte und unerwartete) Begabungspotenziale entdeckt werden sollen, die durch eine «begabende Schule» entfaltet werden können. (Ein Qualitätsmerkmal aktueller Begabungsförderung, das sich in den Schulbeispielen in diesem Buch zeigt; siehe dazu S. 106; 166.)
Entgegen zahlreicher Fehlübersetzungen in der deutschsprachigen Literatur bezeichnet Renzulli das Feld der kognitiven Voraussetzungen nicht mit «Intelligenz», sondern weit offener mit «überdurchschnittlichen Fähigkeiten» (above average abilities). Damit signalisiert er mit seinem Konzept die Abkehr von jener einseitigen traditionellen Auffassung, die Begabungen an einen akademischen IQ-Wert gebunden sehen.
Jeder der drei Kreise des Modells steht in unauflösbarer Interaktion mit der Umwelt. So wie überdurchschnittliche Fähigkeiten als persönliches Potenzial in Relation zu einer Bezugsgruppe (und nicht auf einen statistischen Wert hin) verstanden werden, kann auch Kreativität nur in Wechselwirkung mit Konventionen, Routinen, Normvorstellungen und im Spannungsfeld sozialer Akzeptanz und sozialer Bedingungen entstehen. Und ebenso werden der Leistungswille und die Intensität der Auseinandersetzung (task commitment) nicht als abschliessend gegebenes Personenmerkmal betrachtet, sondern als ein Ergebnis erlernter Einstellungen und Haltungen.
Die drei Ringe hat Renzulli auf einem sogenannten «Houndstooth»-Hintergrund dargestellt. Dieses Muster (in Europa als Hahnentrittmuster bekannt) symbolisiert das soziale Umfeld, auf dem Begabungen sich in der Interaktion zwischen Person und Umwelt ausgestalten können. «The hounds tooth background represents personality and environment – factors that are inseparable related to each other and give rise to the three clusters of traits» (Renzulli 1978, S. 180). Der niederländische Psychologe Franz Mönks (1992, S. 17 ff.) hat diese soziale Einbettung der Begabungsentwicklung verdeutlicht und als triadisches Interdependenzmodell bezeichnet."
Aus: Victor Müller-Oppliger
Stiftung für hochbegabte Kinder, Stiftung Mercator Schweiz (Hrsg.) Begabungsförderung steigt auf LISSA-Modelle für die Sekundarstufe I Band III
1.Auflage2017
Alle Rechte vorbehalten © 2017 hep verlag ag, Berwww.hep-verlag.ch
Hervorhebungen durch M.Kleiner
Entgegen zahlreicher Fehlübersetzungen in der deutschsprachigen Literatur bezeichnet Renzulli das Feld der kognitiven Voraussetzungen nicht mit «Intelligenz», sondern weit offener mit «überdurchschnittlichen Fähigkeiten» (above average abilities). Damit signalisiert er mit seinem Konzept die Abkehr von jener einseitigen traditionellen Auffassung, die Begabungen an einen akademischen IQ-Wert gebunden sehen.
Jeder der drei Kreise des Modells steht in unauflösbarer Interaktion mit der Umwelt. So wie überdurchschnittliche Fähigkeiten als persönliches Potenzial in Relation zu einer Bezugsgruppe (und nicht auf einen statistischen Wert hin) verstanden werden, kann auch Kreativität nur in Wechselwirkung mit Konventionen, Routinen, Normvorstellungen und im Spannungsfeld sozialer Akzeptanz und sozialer Bedingungen entstehen. Und ebenso werden der Leistungswille und die Intensität der Auseinandersetzung (task commitment) nicht als abschliessend gegebenes Personenmerkmal betrachtet, sondern als ein Ergebnis erlernter Einstellungen und Haltungen.
Die drei Ringe hat Renzulli auf einem sogenannten «Houndstooth»-Hintergrund dargestellt. Dieses Muster (in Europa als Hahnentrittmuster bekannt) symbolisiert das soziale Umfeld, auf dem Begabungen sich in der Interaktion zwischen Person und Umwelt ausgestalten können. «The hounds tooth background represents personality and environment – factors that are inseparable related to each other and give rise to the three clusters of traits» (Renzulli 1978, S. 180). Der niederländische Psychologe Franz Mönks (1992, S. 17 ff.) hat diese soziale Einbettung der Begabungsentwicklung verdeutlicht und als triadisches Interdependenzmodell bezeichnet."
Aus: Victor Müller-Oppliger
Stiftung für hochbegabte Kinder, Stiftung Mercator Schweiz (Hrsg.) Begabungsförderung steigt auf LISSA-Modelle für die Sekundarstufe I Band III
1.Auflage2017
Alle Rechte vorbehalten © 2017 hep verlag ag, Berwww.hep-verlag.ch
Hervorhebungen durch M.Kleiner